Akki - Aktion & Kultur mit Kindern e.V.
Einrichtung kultureller Bildung in Düsseldorf

Sachbericht „Düsseldörfchen – Großstadt der Kinder“ 2014

Die Kinderstadt wächst und wächst seit 1989 kontinuierlich, doch in diesem Jahr stellen wir uns einer neuen Herausforderung. Mit erstmals 350 Kindern erreichen wir eine Dimension, die zahlreiche konzeptionelle und inhaltliche Veränderungen erfordert: Düsseldörfchen wird zur Großstadt!

Die Kinderstadt wächst und wächst seit 1989 kontinuierlich, doch in diesem Jahr stellen wir uns einer neuen Herausforderung. Mit erstmals 350 Kindern erreichen wir eine Dimension, die zahlreiche konzeptionelle und inhaltliche Veränderungen erfordert: Düsseldörfchen wird zur Großstadt!

Die Kinderstadt wächst und wächst seit 1989 kontinuierlich, doch in diesem Jahr stellen wir uns einer neuen Herausforderung. Mit erstmals 350 Kindern erreichen wir eine Dimension, die zahlreiche konzeptionelle und inhaltliche Veränderungen erfordert: Düsseldörfchen wird zur Großstadt!

Das Anmeldeverfahren der Teilnehmer im Alter zwischen 8 und 14 Jahren ist ebenfalls eine Premiere: Um den Kauf der beliebten Karten für die Eltern nutzerfreundlich zu gestalten und das stundenlange Warten am Verkaufstag abzukürzen, wird zum ersten Mal in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Stadtjugendring eine Online-Reservierung durchgeführt. Leider funktioniert das neue Verfahren im ersten Anlauf nicht zufriedenstellend, da der Server durch die starke Nachfrage zusammenbricht, so dass ein zweiter Anlauf gestartet werden muss und der Verkauf der Karten sich über einige Wochen hinzieht. Aber grundsätzlich sind sich alle einig, dass eine Online Reservierung mit optimierter Technik und Kapazität auch für das Folgejahr angestrebt wird.

Durch die neue Größe des Projektes mit 350 Bürgern und 23 Werkstätten und Betrieben ist es zum ersten Mal möglich 2 Stadtteile zu bilden. Neben der Altstadt auf der bewährten Fläche wird auf der Margarethenwiese die Neustadt Düsseldörfchens erbaut. Aus dieser Aufteilung ergeben sich ganz neue Anforderungen und Möglichkeiten, beginnend bei der Verwaltung in verschiedenen Meldeämtern, zwei Bauflächen mit unterschiedlichem Bebauungsplan, Stadtversammlungen auf unterschiedlichen Bühnen in verschiedenen Zelten…

Die Teilnehmer, die entweder zum ersten oder bereits zum wiederholten Mal ihre eigene Stadt aufbauen, erhalten bereits vor Projektbeginn Post von uns, in der sie erfahren, in welchem der beiden Stadtteile sie sich morgens anmelden und welches Stadtteilbüro für sie zuständig ist. Das schafft Orientierung, Identifikation und Überschaubarkeit und hilft – gerade in der Großstadt – sich in den neuen Strukturen zurecht finden.

Trotz dieser Stadtteil-Zugehörigkeit steht es allen Bürgern frei, sich in den vielfältigen Spielbereichen der ganzen Stadt zu engagieren, auszutoben und ihre Vorstellungen zu verwirklichen. „Düsseldörfchen“ ist zwar orientiert am Vorbild, der Großstadt Düsseldorf, in der die Kinder leben, aber es wird ganz nach den Vorstellungen und Interessen der Bürgerinnen & Bürger belebt und im Detail ausgestaltet.

Ab dem ersten Tag hat das Düsseldörfchen alle Bereiche, die zu einer funktionierenden Großstadt dazugehören: Es gibt ein Rathaus, das die ganze Stadt verwaltet und eine Bank, die die Projektwährung „ Düssel-Euro“ sicher verwahrt oder auszahlt. In der Altstadt entstehen bei Hoch & Tief verwinkelte Fachwerkhütten und in der Neustadt baut Perfektbau an einer modernen Skyline. Im Autowerk werden Seifenkisten montiert und in der Fabrik Stühle verschraubt, während in der Schreinerei Insektenhotels und Körbe in Handarbeit entstehen. Die Anstreicherei bringt Farbe ins Düsseldörfchen und die Kunstakademie steuert Kunst im öffentlichen Raum bei. Mit dem Denkmalamt sorgt das Lebendige Museum dafür, dass in der Altstadt historisches Flair aufkommt. In der Bäckerei werden Konditoren und Bäcker ausgebildet, während das Restaurant Kellner und Köche sucht. Wer gerne schöne Dinge designt, findet in der Textilwerkstatt, im Modehaus oder beim Juwelier kreative Arbeitsplätze. Technik-Freaks kommen im Radio, im Filmstudio oder in der Trickfilmwerkstatt auf ihre Kosten. Der Sportverein bringt die Kinderstadt in Bewegung und hat ein tolles Ausflugs-Programm im Angebot. Darsteller haben die Wahl zwischen drei Kulturbetrieben: dem Zirkus, dem Tanzstudio und dem Theater. Um bei der Vielfalt den Überblick zu behalten gibt es die Düsseldörfchen Zeitung, die gleich mit der ersten Umfrage beginnt: Welche Erwartungen haben die Bürger? Die Lieblingsantworten zeigen das Spektrum der Möglichkeiten: Abenteuer erleben oder Millionär werden!

Noch eine Neuerung: Am ersten Projekttag erhält jedes Kind den Düsseldörfchen-Ausweis. Dieses Dokument ist ein Sammelort für persönliche Angaben, Karrierenachweise, Führerscheine, Wahlbeteiligung… Er enthält u.a. auch einen Stadtplan und wird im Laufe der Zeit vervollständigt. Am Ende ist er eine schöne Projekterinnerung.

Nach der Stadtteilanmeldung, die nach einiger Aufregung am ersten Tag bereits fast routiniert verläuft, beginnt das Projekt für alle mit dem Einbürgerungstest. Wie bei einer Schnitzeljagd erkunden die Bürger die neue Großstadt und werden auf die Besonderheiten der Stadtteile mit den verschiedenen Neuerungen aufmerksam. Wer alle Fragen beantwortet hat, bekommt den entsprechendem Stempel in seinen Ausweis und ist ab dann als Bürger von Düsseldörfchen berechtigt bei den Bürgermeisterwahlen teilzunehmen, eine Händlerlizenz zu erwerben oder Baugrund zu beantragen. Das ist für die Meisten Motivation genug, sich dem Test zu stellen.

Im Rathaus werden ab sofort engagierte Bürgermeisterkandidaten gesucht! Wahlkampf, Steuer-Diskussionen, Kulturförderung und vieles mehr steht auf der Tagesordnung. Es gibt viel zu tun, um den Interessen von 350 BürgerInnen gerecht zu werden. Und natürlich in diesem Sommer besonders wichtig: die Vernetzung der beiden Stadtteile, so dass Düsseldörfchen eine große gemeinsame Stadt wird.

Das Wetter spielt der Kinderstadt ab dem zweiten Tag einen Streich: Dauerregen setzt ein und Düsseldörfchen steht erstmal unter Wasser. An den geplanten Straßenbahnschienen kann nicht gearbeitet werden, alle Bautätigkeiten müssen aufgeschoben werden und die Kinder ziehen Wassergräben, damit die Pfützen auf dem Gelände ablaufen können.

Der Mangel an Außenaktivitäten sorgt für ein verstärktes Interesse am politischen Geschehen. Schnell finden sich drei Parteien, die mit ganz unterschiedlichen Themen, die Stimmen der Bürger gewinnen wollen: Die „Akkianer“ versprechen ein Ordnungsamt mit Polizeiauto, wollen statt Steuern für die Bürger Bereichssteuern und einem Lohnbonus einführen. Die „Soziale Arbeit Partei“ (SAP) stellt einen +50% Mindestlohn, einen Erfrischungsbrunnen und mehr Baugrund in Aussicht und die „Düsseldörfchen Partei“ versucht mit Mietshäuser zu punkten. Bei Debatten auf den Bühnen versuchen die Parteien sich gegenseitig zu schwächen und die eigenen Stärken hervorzuheben. Es findet ein spannender und nicht immer fairer Wahlkampf statt, bei dem auch schon mal Wahlversprechen kopiert werden. Bei der ersten Wahl am Mittwoch gewinnt die SAP mit 56% der Stimmen deutlich. Zur Partei gehört sogar eine „Spaßministerin“. Ab Donnerstag gilt nun der angekündigte Mindestlohn, (der noch weitreichende Folgen haben soll).

Beim Freitagsstadtfest am Ende der ersten Woche werden die Wappen der beiden Stadtteile mit ihrer bereits ganz eigenen Identifikation und Prägung feierlich präsentiert und bei einem bunten Ständetreiben und Spielaktionen treffen sich alle Bürger, um die Woche vergnügt ausklingen zu lassen.

Durch das anfängliche schlechte Wetter beginnt der Bau-Boom erst in der zweiten Woche. Plötzlich schießen die Häuser wie Pilze aus dem Boden, entsprechender Baulärm ist überall zu hören. Beide Stadtteile sind in ihrer Art deutlich voneinander zu unterscheiden. Ein schönes Fachwerkhaus nach dem anderen kennzeichnet die Altstadt. Der Verkehr ist beschaulich, die Straßenschilder sind historisch gestaltet, ein Glockenturm bildet den Mittelpunkt des Marktplatzes, mittelalterliche Zitate hier & da. In der Neustadt dagegen pulsiert das moderne Leben, Graffiti- und Hochglanzfassaden säumen die Schnellstraße Düsseldörfchens. Hier entwickeln sich neumodische Geschäfte und statt Stockbrot am Lagerfeuer wartet die Fast-Food-Filiale.

In der Neustadt wird ein Kran als Wahrzeichen für großstädtisches Bauen errichtet, während in der Altstadt alle Hütten mit der Altstadt-Plakette ausgezeichnet werden, die den Kriterien des traditionellen Bauens entsprechen.

Sichtbare Verbindung der beiden Stadtteile sind die Straßenbahnschienen, die von der Altstadt in die Neustadt führen. Noch feilt das Autowerk an der Umsetzung dieses ÖPNV-Projektes. Die Kurvenführung muss überarbeitet werden, da das feuchte Holz sich verzieht, so dass zunächst nur der erste Streckenabschnitt der Linie 1 in Betrieb genommen werden kann. Die Wartehütte und die Fahrkartenstation sind aber weithin sichtbar und am Gleis herrscht immer großer Andrang.

In der 2. Woche bekommt Düsseldörfchen auch Besuch von Walburga Benninghaus, Abgeordnete vom Landtag NRW, im Rahmen ihrer Sommertour. Sie lässt sich ausführlich in der Kinderstadt herumführen und zeigt sich beeindruckt. Bei der Stadtversammlung ist sie als Gesprächsgast geladen und wird interviewt. Wie sie in die Politik gekommen sei, was ihre Themen seien, was an der Arbeit als Politikerin nicht so schön sei… Die Moderatorin und der Moderator sind gut vorbereitet und überraschen die Politikerin zum Beispiel mit dieser Frage: “Warum sind Sie denn in der SPD, wo Ihr Vater doch CDU-Mitglied war?” Dieser Besuch war eine spannende Begegnung und eine Fortsetzung 2015 ist fest verabredet.

Neben der Politik bietet auch das sportliche Geschehen jede Menge Gesprächsstoff. Inspiriert von der WM 2014, die am Wochenende zwischen der ersten und zweiten Woche von Deutschland gewonnen wird, richtet der Sportverein eine große Stadtmeisterschaft aus, überall wehen Wimpel und Fahnen aller Länder. Die Deutschland Fahne findet sich auf Backwaren, T-Shirts und in Form von zahlreichen Accessoires überall wieder. Mit dem Bauchladen sind die Kinder im Düsseldörfchen unterwegs, um ihre selbstgemachten Fanartikel zu verkaufen.

Aufgrund des riesigen und unkontrollierbaren Aufkommens von Losbuden, beschließt der Stadtrat eine Losbehörde, die die Prozentzahl der Nieten kontrollieren und somit das Glücksspiel eindämmen soll. Außerdem wird nun gegen Konflikte jeder Art im Stadtteilbüro eine Streitschlichter-Ausbildung angeboten. Kurz darauf folgt ein neuer Beschluss im Stadtrat, der auf das aktuelle Geschehen reagiert: Händlerlizenzen werden jetzt nur noch für den Verkauf von Waren erteilt, die im Düsseldörfchen von den Kindern selber produziert worden sind. Der Verkauf von kommerzieller Ware wie z.B. Süßigkeiten, die von außen mitgebracht werden, hat so zugenommen, dass es keine Chancengleichheit beim Verdienst von Düsseleuros mehr gab, was von vielen Bürgern als ungerecht empfunden wurde. Das neue Gesetz sorgt wieder für mehr Fairness bei der Preisgestaltung und reguliert das Wirtschaftssystem.

Das urbane Leben entwickelt sich weiter. Das Radio vermietet Radioboxen, damit jeder Bereich stundenweise in der Genuss der Live-Sendungen kommen kann, das Filmstudio eröffnet das Kino, die Kunstakademie installiert einen Wunschbaum. Das Modehaus eröffnet einen „Fair Trade“ Laden. Denn die Produkte dieses Bereichs werden fair produziert, da das Modehaus als einziger Bereich immer den Mindestlohn bezahlt. Und die Kissen und modischen Taschen sind wahre Verkaufsschlager.

Der Wahlkampf in der zweiten Woche läuft zunächst schleppend an, es gibt keine neue Partei. Kurz vor der Wahl wird bekannt, dass die SAP sich nicht mehr zur Wahl stellt, da den Mitgliedern der Job zu stressig ist. Der neue Mindestlohn – das zuerst viel bejubelte Wahlversprechen – wird inzwischen kritisiert, da einige Bereiche am Rand des Ruins stehen. Die erhoffte Anregung der Wirtschaft bleibt aus. Das bringt die Politiker so in Bedrängnis, dass sie lieber in eine andere Branche wechseln. Nach dem angekündigten Rückzug der SAP folgt bei der Stadtversammlung der kurzfristige Aufruf, dass eine „SAP Junior“ gegründet werden soll und Mitglieder sucht.

„Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“ – so lautet die Reaktion vom neuen Bürgermeister der „SAP Junior“ nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Donnerstag der zweiten Woche. Im Interview gibt er unumwunden zu, dass er wahrscheinlich vom Bekanntheitsgrad seines großen Bruders, der Bürgermeister der SAP war profitiert hat. Sitzsäcke für die Chill-Lounge sind das wichtigste Wahlversprechen, daneben gibt es auch einige Maßnahmen zur finanziellen Konsolidierung der Stadt: der Mindestlohn fällt weg und Steuern werden eingeführt.

In der dritten Woche trotzen die Bürger einer Hitzewelle. Der Sportverein installiert eine Seilbahn, mit der man eine Sause durch den Wassersprenger erleben kann, es gibt eine unterhaltsame Bereichsolympiade und eine Ritterausbildung im lebendigen Museum. Neu gefundene Straßennamen zieren die Stadtteile, der Weg durchs Düsseldörfchen führt jetzt von der Hügelallee über die Milchstraße in die Fußballgasse bis zur Big-Bang-Theory-Straße. Nun wird auch die vollständige Strecke der Düsseldörfchen-Bahn in Betrieb genommen. An der Station Marktplatz kann man von der Linie 1 in die Linie 2 umsteigen und sich bis in die Neustadt schieben lassen.

Trotz der Sparmaßnahmen will das Rathaus kurz vor Schluss noch die Förderung von Theater, Tanz, Kunstakademie und Zirkus streichen, da die Stadtkasse finanzielle Schwierigkeiten hat. Eine Protest-Aktion der betroffenen Kulturbetriebe bei der nächsten Stadtversammlung mündete in eine engagierte Diskussion mit Politik und Publikum über den Wert der Kultur im Düsseldörfchen, in deren Folge die Förderung in etwas verringertem Umfang aufrecht erhalten wird. Zum Ausgleich ruft die Bank einen Sponsorenlauf ins Leben.

Wie sehr sich eine Förderung der Kultur auszahlt, können die BürgerInnen beim großen Open-Air-Finale erleben. Zirkus, Tanzstudio und Theater zeigen die Geschichte von Tranquila Trampeltreu von Michael Ende und verbinden die Reise der Schildkröte gekonnt mit Tanzeinlagen und Akrobatiknummern zu einem mitreißenden Spektakel.

Fazit: Auch als Großstadt hat die Kinderstadt sich bewährt, das Experiment ist gelungen. Aber wenn wir Bilanz ziehen, müssen wir feststellen, dass manche der Neuerungen nicht in der vorausgesehenen Weise umgesetzt werden konnten oder keinen Anklang gefunden haben. So werden wir beim nächsten Mal wieder mit nur einer Bühne auskommen, um eine Konzentration von Darbietungen und Publikum an einem Ort wiederherzustellen. Auch die konzeptionelle Umstrukturierung des Tagesablaufs mit der Stadtversammlung um die Mittagszeit hat sich nicht bewährt. Der dezentrale Abschluss in den einzelnen Werkstätten führte tendenziell zu einer Orientierungslosigkeit am Ende der Projekttage. Noch im laufenden Projekt haben die Teilnehmer bei Umfragen zahlreich den Wunsch geäußert wieder zur alten Struktur mit der Stadtversammlung als gemeinsames Tagesende zurückzukehren.

Ein weiteres Umfrageergebnis spornt uns bei den kommenden Planungen an: alle Kinder wollen nächstes Jahr wiederkommen – wir nehmen das als Bestätigung und neue Herausforderung!

  • Datum: 07. – 25.07.2014
  • Ort: Südpark Megaplatte
  • Dauer: 15 Tage à 8 Std
  • Nutzung: 350 Kinder
  • Struktur: 23 Werkstätten, 64 Betreuer
  • Eine Veranstaltung im Rahmen der Düsselferien der Landeshauptstadt Düsseldorf