Akki - Aktion & Kultur mit Kindern e.V.
Einrichtung kultureller Bildung in Düsseldorf

Sachbericht Düsseldörfchen – Republik der Kinder 2015

Düsseldörfchen mausert sich in diesem Jahr zur „Ferienrepublik der Kinder“. 25 Jahre nach der ersten Akki-Ferienrepublik wagen wir es erneut und gründen einen „Staat der Kinder“. Anlass dafür bietet auch das 25jährige Jubiläum des KJHG – Kinder & Jugendhilfegesetz von 1990, indem erstmalig ein Partizipationspostulat gesetzlich verankert wird: Kinder haben ein Recht auf Beteiligung!

Akki hat 1990 erstmalig eine Ferienrepublik mit Kindern gegründet, um Wege der direkten Beteiligung von Kindern, der verantwortungsvollen Ausgestaltung gemeinsamer Aufgaben durch Kinder und schließlich der konkreten Politik mit Kindern, zu erproben.

In diesem Jubiläumsjahr greifen wir das Thema erneut auf und lassen die Erfahrungen der vergangenen Jahre einfließen, um mit den Kindern gemeinsam eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie könnte ein Staat der Kinder aussehen?

Um dieses zu können bietet sich beim Düsseldörfchen die Möglichkeit, die alltäglichen Zusammenhänge und Abläufe eines Gemeinwesens spielerisch zu erfahren und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Durch die komplexe und Ernstfall simulierende Spielwelt können Kinder mit ansonsten schwer verständlichen oder verfügbaren politischen Prozessen (z.B., Parlamentssitzung, Wahlen, Demokratie), wirtschaftlichen Zusammenhängen (z.B. Angebot und Nachfrage) sowie mit Aufgaben, Rollen und Verantwortung erste Erfahrungen und hautnahe Erlebnisse sammeln. „Düsseldörfchen“ ist zwar orientiert am Vorbild, der Stadt Düsseldorf, wo die Kinder leben, aber es wird ganz nach den Vorstellungen und Interessen der Bürgerinnen & Bürger belebt und im Detail ausgestaltet.

350 Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren sind seit April für unser Projekt angemeldet Nachdem wir im letzten Jahr zum ersten Mal eine Online Reservierung durchgeführt haben, die leider noch nicht fehlerfrei funktionierte, haben wir für dieses Jahr mit dem Stadtjugendring und dem Jugendamt das System optimiert. Tatsächlich funktioniert die Anmeldung wesentlich zufriedenstellender, auch wenn noch einige Verbesserungsideen für das Folgejahr vorgemerkt werden.

Als neuer Bürger der Republik erhält jedes Kind am ersten Tag den Düsseldörfchen-Pass. Dieses Dokument ist ein Sammelort für persönliche Angaben, Werkzeugführerscheine, Karrierenachweise, Wahlbeteiligung… Er enthält u.a. auch einen Stadtplan und wird im Laufe der Zeit vervollständigt. Am Ende ist er eine schöne Projekterinnerung.

Durch die Größe des Projektes mit 22 Werkstätten und Betrieben ist es erneut möglich 2 Stadtteile zu bilden. Neben der Innenstadt auf der bewährten Fläche wird auf der Margarethenwiese die Kunstsiedlung Düsseldörfchens erbaut. Aus dieser Aufteilung ergeben sich ganz neue Anforderungen und Möglichkeiten: zwei Bauflächen mit unterschiedlichem Bebauungsplan und Schwerpunkten.

Beide Stadtteile sind in ihrer Art deutlich voneinander zu unterscheiden. In der Innenstadt entsteht eine dicht bebaute City-Fläche mit niedrigen Hütten und Häuschen für die individuelle Nutzung. Der Häuserbau ist jedoch stark reglementiert, da der Ausbau schnell, sicher und standardisiert erfolgen soll. Daher können viele Bewohner schnell angesiedelt werden. Dennoch hat die Innenstadt auch viele idyllische Ecken mit Marktplatz, Brunnen, Fachwerkhäusern und kleinen Gassen.

Anders sieht es in der konkurrierenden Kunstsiedlung aus. Hier werden große und kleine, runde und eckige, individuelle und gemeinschaftliche Fantasiebauten entworfen und innovativ umgesetzt. Die Gestaltung der Kunstsiedlung ist einerseits abhängig von den Architektur-Ideen der Kinder und andererseits durch den gemeinschaftlichen Gestaltungsprozess, der Gegenstand der politischen Entscheidungsfindung ist. Die hier entstehende Siedlung wird gemeinsam mit allen Betroffenen geplant und gebaut. Im Laufe der drei Wochen entsteht ein eng vernetztes, begehbares, bewohntes, bunt bemaltes und vielgestaltiges Spielbauwerk mit Kletterelementen, Rutschstange, Wackelbrücke, Aussichtsplattform und vielen weiteren Elementen, die zum Spielen einladen und die Kunstsiedlung zum beliebtesten Erlebnisort in der Kinderrepublik machen.

Wie gewohnt hat das Düsseldörfchen natürlich alle Bereiche, die zu einem funktionierenden Stadt-Staat dazugehören: Es gibt ein Regierungshaus, in dem der Stadt-Staat verwaltet wird. Vom ersten Tag an werden engagierte Kanzler-Kandidaten gesucht! Wahlkampf, Steuer-Diskussionen, Kulturförderung und vieles mehr steht auf der Tagesordnung. Es gibt viel zu tun, um den Interessen von 350 BürgerInnen gerecht zu werden. Und natürlich stellt sich immer wieder die Frage: wie werden die beiden Stadtteile vernetzt, so dass Düsseldörfchen eine große gemeinsame Republik wird.

In der ersten Zeitungsausgabe, der Düssel-Post, wird ausführlich auf das neue politische System der Republik Bezug genommen und allen Bürgern erklärt, wie jeder seine Interessen, Fragen und Probleme im Düsseldörfchen einbringen kann. Neben der Betriebsversammlung, die jeden Morgen in allen Werkstätten abgehalten wird, ist in diesem Jahr das Parlament das wichtigste Gremium, in dem über die Entwicklung der Kinderrepublik diskutiert und entschieden wird.

Mitten in einer Hitzewelle stimmen die Bürger über ihr erstes Regierungsteam ab. 2 Parteien stehen zur Wahl und mit über 70% der Stimmen regieren ab Donnerstag in der ersten Woche „Die 4 Lemuren“ mit Kanzler Emil, Stellvertreter und Spaßminister Bennett, Justizminister Albert und Finanzminister Max. Mit viel Elan und Unterstützung des Parlamentes begeben sich die Vier an die Umsetzung ihrer Wahlversprechen, zu denen unter anderem die Durchführung verschiedener „Spaßveranstaltungen“ wie Fußballturniere oder eine Castingshow gehören. Aber auch ernsthaftere Themen stehen ab nun auf der Tagesordnung der Parlamentssitzungen, z.B die Lohn- und Steuerpolitik. Was sind faire Löhne? Dürfen Kinder, die bei der Hitze im Freien, körperlich anstrengenden Tätigkeiten wie dem Hüttenbau nachgehen, mehr verdienen? Für Missstimmung in der Bevölkerung sorgt, dass die Lemuren eins ihrer Wahlversprechen direkt zu Beginn nicht halten können, nämlich die Steuerfreiheit für die Bürger. Nachdem das Parlament sich gegen die Betriebssteuer ausspricht, wird doch eine Bürgersteuer in Höhe von einem Düsseleuro pro Tag eingeführt. Trotz vieler Erklärungsversuche durch den Minister, bleibt ein Rest Unmut bei der Wählerschaft.

Zentrales Thema im Regierungshaus ist die Arbeit am Grundgesetz, an dessen Entwurf bis zum Ende der ersten Woche gearbeitet wird. Treibende Kraft dabei ist ein Kind, das offensichtlich aus einem Elternhaus mit juristischem Hintergrund stammt und fertig ausgearbeitete, mehrseitige Gesetzesvorschläge inklusive Strafgesetzbuch ins Projekt mitbringt. Diese Vorlage wird gemeinsam abgespeckt und passend gemacht. Prominenter Gast aus der „echten Politik“ bei der Staatsgründungsfeier am erste Freitag, ist Sozialdezernent Burkhard Hintzsche, der bei der Erläuterung und Vorstellung der 9 Artikel des Grundgesetz-Entwurfes dem Regierungsteam als Pate zur Seite steht. Nach der Abstimmung durch die Volksversammlung wird das Grundgesetz begleitet vom Applaus der Bevölkerung durch die Unterschriften von Herrn Hinzsche und dem Kanzlerteam rechtsgültig gemacht. Feierlich wird jetzt die neue Flagge gehisst und ein buntes Volksfest mit Spielen, Darbietungen und Erlebnistouren durch die frisch gegründete Republik eröffnet.

Ab der zweiten Woche entfaltet sich im Düsseldörfchen neben dem Politikgeschehen zunehmend auch das kulturelle Leben: Das Staatstheater feiert die Premiere des ersten Theaterstückes, „Frau Baronin“, das Tanzstudio castet Mitwirkende für ein Musical und der Zirkus probt schon an der großen Palino-Abschluss-Show!

Nachdem die Hitze in der ersten Woche das Baugeschehen etwas verlangsamt hat, geht es nun auch baulich voran in der Republik. Bei den holzverarbeitenden Werkstätten herrscht Hochbetrieb. Kreuz & Quer zimmert an der Kunstsiedlung während bei Hoch & Tief das erste Richtfest eines Zweiwohnungshauses mit Dachboden und Terrasse gefeiert wird. Um die Wege zu verkürzen arbeitet das Autowerk an einer Straßenbahnlinie, die sogar über einen Umsteigebahnhof zwischen den Stadtteilen verfügt. Die Linie 1 durchquert die Innenstadt, während die Linie 2 geradewegs in die Kunstsiedlung hineinführt.

Zur Projekthalbzeit stehen auch wieder Wahlen an. Es findet sich aber keine Partei, die in Konkurrenz zu den 4 Lemuren gehen möchte. Diese treten erneut an, nur mit intern getauschten Positionen und werden mit 75% der Wählerstimmen für den Rest der Zeit bestätigt. Diese zweite Amtszeit wird damit verbracht nun auch wirklich alle Wahlversprechen zu realisieren, die angekündigte Talentshow zu veranstalten, die das große Zelt zum Kochen bringt, die Wege und Plätze der Republik mit Namen zu versehen und das Strafgesetzbuch zu verabschieden, das tatsächlich dringend benötigt wird.

Denn die zweite Woche kommt auch nicht ohne Tumulte aus: Eine Demonstration, bei der es um die Namengebung der Bahnhöfe geht, Streik beim Autowerk und Kriminalität bei Bankgeschäften halten die Stadt in Atem. Alle Probleme können aber mit Hilfe des Regierungshauses gelöst werden.

In der dritten Woche genießen alle „Republikaner“ ganz entspannt die Vorzüge von Düsseldörfchen, „chillen“ in ihren selbstgebauten Hütten, tauschen und lesen in der neuen Bücherbox, besorgen sich den speziellen „30-Düsseleuro“-Schein, der anlässlich des Akki-Jubiläums als Souvenir angeboten wird, schauen im Kino die aktuelle Düsseldörfchen-Produktion, machen Urlaub auf dem Bauernhof, nutzen die Post, um neugewonnenen Freunden zu schreiben oder bewundern den Ausblick von der beeindruckenden Kunstsiedlung.

  • Datum: 29.06. – 17.07.2015
  • Ort: Südpark Megaplatte
  • Dauer: 15 Tage à 8 Std
  • Nutzung: 350 Kinder
  • Struktur: 22 Werkstätten,59 Betreuer
  • Eine Veranstaltung im Rahmen der Düsselferien der Landeshauptstadt Düsseldorf