Akki - Aktion & Kultur mit Kindern e.V.
Einrichtung kultureller Bildung in Düsseldorf

Sachbericht „Düsseldörfchen – Ein Dorf in der Stadt“ 2018

Datum: 16.07. – 03.08.2018

Ort: Südpark Megaplatte

Dauer: 15 Tage à 8 Std

Nutzung: 355 Kinder

Struktur: 20 Werkstätten, 60 Betreuer

Eine Veranstaltung im Rahmen der Düsselferien der Landeshauptstadt Düsseldorf

 

Kontext: Kinderstadt

 Der Südpark verwandelt sich in den Sommerferien traditionell in eine ganz besondere, vielseitige Stadt, in der die Kinder drei Wochen lang das Sagen haben: Düsseldörfchen öffnet wieder seine Tore. 355 Kinder haben sich angemeldet, um ihre eigene Stadt mit Leben zu füllen, aufzubauen und zu regieren. „Düsseldörfchen“ ist zwar orientiert am Vorbild, der Großstadt Düsseldorf, in der die Kinder leben, aber es wird ganz nach den Vorstellungen und Interessen der Bewohner und Bewohnerinnen belebt und im Detail ausgestaltet.

Jeder Bürger kann eigene Ideen in die Tat umsetzen und ist gleichzeitig ein wichtiger Teil der ganzen Kinderstadt, in der Geld verdient wird, Produkte erfunden und Talente entdeckt werden. Ein breites Angebot aus den Bereichen Handwerk und Technik, Kunst & Kultur, Medien und Musik, Verwaltung und Wissenschaft, Unterhaltung und Konsum steht bereit. Alle Bürger können sich jederzeit frei entscheiden, wo sie mitarbeiten wollen. Wie gewohnt hat das Düsseldörfchen von Beginn an alle Bereiche, die zu einer funktionierenden Großstadt dazugehören. Rathaus, Bank, Media-Lab, Zeitung, Modehaus, Schmuck- und Design-Atelier, Bauhof, Anstreicherei, Bistro, Schreinerei, Zirkus, Autowerk, Kunstakademie und Musiktheater – alle Bereiche laden ein Neues zu lernen und sich zu spezialisieren. Mit jeder Menge Bauholz entsteht auf dem großen Platz im Zentrum ein phantasievolles Quartier, in dem Geschäfte eröffnet und Wohngemeinschaften gegründet werden. Im Rathaus werden die Bürgermeisterkandidaten geschult und alle wichtigen Schritte für den Aufbau und das Zusammenleben in der Stadt eingeleitet.

 

Diesjähriges Motto: „Ein Dorf in der Stadt“

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal ein besonderes Motto, nämlich „ein Dorf in der Stadt“. Nach dem großen Erfolg im Jahr 2013 entsteht in diesem Sommer wieder ein „Museumsdorf“, das die Kinder im Stil eines Freilichtmuseums mit in die Vergangenheit nimmt. Mitten in der modernen Großstadt des Düsseldörfchens entführt das kleine Museumsdorf mit Kostümen, Klängen und dem Duft von Lagerfeuer in die Vergangenheit. Das Dorf besteht aus drei Spielbereichen/Werkstätten, die sich mit unterschiedlichen Aspekten früheren Lebens beschäftigen. Auf dem historischen Bauernhof wird Brot im Lehmofen gebacken und die artgerechte Versorgung der hofeigenen Hühner und Ziegen erlernt. Fantastisch und vergnüglich geht es im Spectaculum zu: Dort sind Gaukler und Wahrsager anzutreffen und die Kinder können sich zum Zauberer, Ritter oder Bader ausbilden lassen. Im Bereich Altes Handwerk werden Körbe geflochten, Papiere geschöpft, Kerzen gezogen und Metalle bearbeitet. Das Leben der Vergangenheit bietet viele interessante Aspekte, die wir in diesem Jahr in die Kinderstadt einfließen lassen. Geschichte wird für die Kinder spielerisch erfahr- und erlebbar. Es ergeben sich zahlreiche interessante Kontraste zwischen damals und heute.

 

Verlaufsbeschreibung:

Auch wenn das Düsseldörfchen immer in den Sommerferien stattfindet – einen Sommer wie in diesem Jahr dürfen wir selten erleben. Eine durchgängige Hitzewelle beschert den BürgerInnen alle Freuden des Sommers von Wasserschlachten bis hin zu Poolpartys. Aber das Wetter stellt die TeilnehmerInnen auch vor Herausforderungen, denn an Arbeit ist manchmal kaum zu denken. Der kreative Umgang mit positiven und negativen Schönwetter-Aspekten begleitet uns in allen Bereichen durch die drei Wochen.

Am ersten Tag ist wie immer zu spüren, dass die Kinder seit Wochen in den Startlöchern stehen und voller Baulust, Spielideen und Neugierde auf das diesjährige Projekt sind. Bei der Anmeldung nehmen sie ihren Ausweis und die Arbeitskarte in Empfang und schon geht es ungebremst los mit der Orientierung, dem Wiedersehen und dem Kennenlernen und der Arbeit. Mit Spannung wird entdeckt, was das Projekt zu bieten hat: welche Werkstätten sind neu, welche sind diesmal nicht dabei, wie sind die Schnupperangebote und wann kann ich meinen Bauantrag für ein eigenes Haus stellen? Die ersten Stunden und Tage in der Kinderstadt sind von großem Tempo, Aufregung und Aufbruchstimmung geprägt. Es geht endlich los und niemand möchte etwas verpassen. Wie von Zauberhand verteilen sich die BürgerInnen in den 20 Werkstätten und wer sich nicht sofort zurechtfindet, wird von dem riesigen Betreuer-Team oder den Patinnen und Paten an die Hand genommen. Wir haben erneut erfahrene Düsseldörfchen-Bewohner, die altersbedingt nur noch einmal mitmachen können, gebeten, sich als Paten zur Verfügung zu stellen. Diese fungieren als Stadtführer und Tipp-Geber von Teilnehmer zu Teilnehmer.

Das Rathaus mit seinem Meldeamt und anderen Ämtern ist eine wichtige tägliche Anlaufstelle für alle Teilnehmer bei An- und Abmeldung, Bauanträgen, Marktlizenzen. Hier geht es ab dem ersten Moment um die Findung von BürgermeisterkandidatInnen. Es gründen sich Parteien mit Slogans wie „Macht gehört allen“ und „Spaß fürs Düsseldörfchen“. Der Wahlkampf wird kritisch begleitet von der Zeitungsredaktion, die ihrer täglichen Ausgabe den Namen „Nüsseldörfchen“ verleiht und ein Eichhörnchen als Maskottchen bekommt. So wie ein Eichhörnchen fleißig Nüsse sammelt, werden hier Informationen gesammelt und verbreitet. Allerdings ist die besondere Aufmerksamkeit der Leser gefragt, denn in jeder Ausgabe verstecken sich Fake News, die die Stadt beim flüchtigen Lesen ganz schön in Aufregung versetzen können. Oder stimmt es etwa, dass aus Ideen- und Materialmangel die Kinderstadt vorzeitig geschlossen wird?

Tipps für die Arbeit holen sich die Reporter in einer echten Redaktion bei der Westdeutschen Zeitung, spontan wird eine Kooperation begründet. Jeden Tag reserviert die WZ eine Seite für „Neues aus dem Düsseldörfchen“ und veröffentlicht Artikel und Fotos der Kinderzeitung.

Am dritten Tag ist die hohe Produktivität der ganzen Stadt bereits beim ersten Markt spürbar. An den bunten Marktständen wechseln die ersten selbstverdienten Düsseleuro die Besitzer. Nun gibt es auch das mit Spannung erwartete Ergebnis der ersten Bürgermeisterwahl. Über 70% der Stimmen gehen an die MGA mit Bürgermeister Hannes und seiner Stellvertreterin Hanna, die mit Erfahrung punkten können. Sie müssen sich direkt den ersten Problemen stellen, es ist Falschgeld im Umlauf, der Ruf der Bank ist gefährdet. Dass es neuerdings sogar Pin-Geräte gibt, um die Konten der Kinder zu sichern, ist ein Baustein, um das Vertrauen in den „Düssel-Safe“ wieder herzustellen.

Das Museumsdorf ist ein magnetischer Ort, in dem die Uhren anders ticken als im Rest der Stadt. Vor dem Bauernhof wird Lehm gestampft und ein Lehmofen aufgebaut, die Ziegen und Hühner werden gehegt und gepflegt, beim alten Handwerk entstehen in mühevoller Handarbeit Lederbeutel, Geduldsspiele und Töpfereien und beim Spectaculum zieht eine Falknerin mit ihren majestätischen Tieren alle in ihren Bann. Für Unruhe sorgt allerdings der Bau des stattlichen Museumstores. Es ist unklar, wer die Kosten hierfür übernimmt. Der Bauhof stellt dem Rathaus eine Rechnung, dieses bemängelt einen fehlenden Auftrag, das Museumsdorf fürchtet, die Kosten nicht selber tragen zu können. Im ersten Stadtrat wird über die Zuständigkeiten verhandelt und ein Kompromiss gesucht und gefunden, der darin besteht, dass das Museumsdorf die Kosten durch Eintrittsgelder refinanziert. Darüber hinaus wird im Stadtrat über die Sitzordnung der Bereichsvertreter gestritten, Zoll für eingeführte Waren festgelegt und ein Pressesprecher eingestellt.

Passend zum Wetter ist das erste neu eröffnete Geschäft von den „5 freshen Kids“ ein Limonadenladen. Das Modehaus gibt sich den Titel „Düssel-Styler“ und in der Zeitung werden coole Gadgets zum Selbermachen veröffentlicht.

In der zweiten Woche hat die Hitze die Stadt fest im Griff. Auf den Baustellen wird unter dem Sonnenschirm gearbeitet, der Sportverein rollt die Wasserrutsche im Schatten aus, Service-Mitarbeiter des Rathauses erfrischen im Vorbeigehen mit einem feinen Wassernebel aus Sprühflaschen, zwischen den Bereichen ist ein reger Ventilatorenhandel im Gang. Kein Wunder, dass der Bürgermeister sich mit der Veranstaltung einer Pool-Party im selbst gebauten Stadtbad viele Freunde macht. Aber auch ohne Party ist im Stadtbad immer jede Menge los. Die Sanitäter sind überall unterwegs, um die Bürger an Pausen im Schatten zu erinnern und das Media-Lab dreht einen lustigen Spot, der daran erinnert viel Wasser zu trinken. Darüber hinaus vereint das Media-Lab aktuelle, mediale Sparten vom Youtube-Channel, über Hörspiel, Trickfilm und Blog bis hin zur PC-Game-Programmierung. Eine Exkursion ins Library Lab der Stadt Düsseldorf bringt interessante Anregungen für die Weiterarbeit. Besonders eindrucksvoll ist die interaktive Präsentation eines Computerspiels mit verschiedenen Levels, das zwei Mädchen mit Hilfe einer speziellen Software selber programmieren. Die Feinheiten des fertigen Spiels werden von den Entwicklerinnen überzeugend auf der Bühne mit Hilfe eines Beamers erklärt und bringen die gesamte Stadtversammlung zum Staunen und Mitspielen.

Politisch ist es eine aufregende Woche. Während die amtierende Partei sich noch gegen Kritik wehren und zu einem Abhörskandal Stellung nehmen muss, beginnt bereits der Wahlkampf für die zweite Regierungszeit in der Kinderstadt. Insgesamt lässt die Zahlungsmoral etwas zu wünschen übrig, so dass das Rathaus immer wieder betonen muss, dass die Zahlung der Steuern unerlässlich ist, damit die geplanten Projekte und Aktionen durchgeführt werden können. Zur Aufbesserung der Stadtkasse wird die Zollregelung überarbeitet und freie Buden werden mit Stromanschluss für Pop-up-Stores vermietet, um den Wildwuchs von Geschäften zu kanalisieren. Im Verlauf des Wahlkampfes entscheidet sich die MAG überraschend, nicht erneut anzutreten. Die offizielle Begründung lautet, dass sie auch anderen Kindern eine Chance geben möchten, dieses wichtige Amt inne zu haben. Nun müssen die BürgerInnen sich nur noch zwischen zwei Parteien entscheiden, Die DPP (Die Paten Partei) besteht nur aus Pat*innen und agiert souverän, während die Opa-Klaus Partei sich aus der Band des Musiktheaters zusammensetzt und durch ihre unkonventionelle Art besticht. Trotzdem entscheiden sich 84% der Wähler für die Paten mit dem Slogan „Demokratisch, Sozial, Erfahren“.

Das Museumsdorf ist inzwischen komplett eingezäunt und wird von frisch ausgebildeten Rittern bewacht, die oben auf dem Torgang patrouillieren und im Kassenhäuschen Eintritt verlangen. Die Atmosphäre ist aber unbezahlbar, der Lehmofen raucht inzwischen und bringt herrlich duftendes Backwerk hervor, am Spectaculum warten Bader mit ihren Diensten, flechten Haare und massieren Füße, Gaukler unterhalten mit Jonglagekünsten und ein richtiger Heißschmied hat seine Schmiede eröffnet.

Auch ums Museumsdorf herum passiert viel in der Stadtentwicklung: Auf dem Bauplatz ist schon ein Quartier mit hohem Wohnwert entstanden, eine Buslinie mit vielen Stationen wird vom Autowerk in Betrieb genommen, die Haltestellenschilder werden von der Anstreicherei gemalt.

Aufregung beim Markt am Mittwoch: mitten im Ständetreiben fegt eine kurze, heftige Sturmbö das Zelt vom Sportverein von der Wiese. Alle packen mit an, um den Schaden zu beheben, aber das Zelt kann nicht gerettet werden. Daraufhin lässt sich der Sportverein als mobile Aktion im Wäldchen nieder, wo im Baumschatten jede Menge Spielgeräte aufgebaut werden. Eine Seilbahn, Fußballtore, ein Trampolin und wechselnde Angebote. Hier im natürlichen Schatten kann man sich sogar an den heißen Tagen austoben und der neue Ort wird zum Highlight der Zufälle.

Am heißesten Tag des Jahres feiern die Bürger*innen das Stadtfest zum Abschluss der zweiten Woche. Gut gelaunt trotzen die Bürger der Hitze und jede Menge feucht-fröhlicher Spiele vom Apfeltauchen über den Wasserpistolen-Contest bis zum Papierschöpfen werden angeboten. Die Zeitung veröffentlicht „die hottesten Hacks für heiße Tage“ als Hilfe zur Selbsthilfe und der Zirkus freut sich über ein riesiges Publikum bei der großen Wochen-Show.

Neben dem ganz normalen Stadtleben mit Kioskbetrieb, Bankgeschäften, Taxifahrten, Fußballtraining und Limonadenproduktion steht die dritte Woche im Zeichen von Verschönerung und Fertigstellung aller Baustellen.

Endlich werden die oberen Stockwerke des Wohnquartiers für alle eröffnet. Von den Dachgärten oder dem Kletterturm aus, bieten sich ganz neue Eindrücke der Stadt. Per Lore kann über luftige Schienen die Kluft zwischen den Häuserblöcken überwunden werden. Brücken und Aussichtsterrassen laden ein, das Leben über den Dächern von Düsseldörfchen zu entdecken. Die Zeitung ruft einen Wettbewerb aus, bei dem die „Fescheste Fassade“ gewählt wird.

Beim letzten Markt am Mittwoch gibt es ein riesiges Angebot mit musikalischer Untermalung der Opa Klaus Band. Im Anschluss präsentieren das Spectaculum und der Zirkus das Wandertheaterstück „Gute Hexen jagt man nicht“ an verschiedenen Orten der Stadt, das die Dachterassen mit einbezieht.

Auch mediale Unterhaltung bereichert die dritte Woche. Ob „Hanni hilft“ oder „Jonas, der Checker“, die Youtube-ähnlichen Formate vom Media-Lab haben inzwischen Kult-Status erreicht und neue Folgen werden sehnlich erwartet.

Die letzte Ausgabe des „Nüsseldörfchens“ berichtet von den Sahnehäubchen der letzten Woche: von der erfrischenden Wasserolympiade, der unterhaltsamen Talent-Show, vom atemberaubenden Autorennen, fasst die Geschehnisse der letzten Tage zusammen, präsentiert bereichernde Bereichsfotos und Fun-Facts über die Belegschaften. Drastische Danksagungen spiegeln, wie sehr die Bürger des Düsseldörfchens zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen sind. Und auf der allerletzten Seite findet sich der Abschluss-Tipp von der Ratmaus vom Rathaus:

„Die letzte Zeitung ist jetzt raus.

So schön die Zeit mit euch hier war,

Gebt schnell das ganze Geld noch aus,

wir sehn uns dann im nächsten Jahr!“

Und das tun die Bürger*innen beim Abschlussstadtfest mit Begeisterung. Das Geschäft boomt an den Souvenirständen, es werden Erinnerungsstücke gekauft und besonders Begehrtes ersteigert. Bei der großen Abschluss-Show gehen die Teilnehmer im Rahmen eines zirzensischen Theaterstücks der Frage nach, ob und wie das Düsseldörfchen ohne Betreuer funktionieren würde. Mit viel Humor und Selbstironie feiern alle zusammen diese gelungene Kinderstadt.